[ -- ms -- ]

[ -- ms -- ]

Gibt es ein Leben nach Microsoft?
- Die Erlebnisse eines Administrators -

Der "Mikrotreue"
Herbert H. war seit mehr als 10 Jahren der EDV-Leiter der Mikrotreu GmbH. In all diesen Jahren hatte er in der EDV Microsoft-Betriebssysteme benutzt. Er war nie müde geworden, sich ständig in Bezug auf Neuerungen und die diversen Sicherheitslücken weiterzubilden und seine Server und Client-Computer auf den neusten Stand zu bringen. Microsoft war für ihn das Nonplusultra aller Dinge, daher gab es in der Mikrotreu GmbH auch so gut wie keine Produkte von Fremdherstellern.
Sehnsüchtig hatte Herbert H. daher auch auf das Erscheinen von Windows 2000 und Windows 2000 Server gewartet, denn er glaubte an die Versprechungen aus Redmond, dass nun alles noch viel besser funktionieren sollte, als unter dem in die Jahre gekommenen Windows NT 4.0. Da die Mikrotreu GmbH sowieso die alten Pentium 166 gegen neue Rechner austauschen wollte, kam dem EDV-Leiter dies wie gelegen, und er kaufte im Frühjahr 2000 insgesamt 40 neue Pentium 700 für den Clientbetrieb und 3 neue Dual-Pentium 700, die er als Server verwenden wollte.

Erste Zweifel
Da Herbert sich immer auf dem Laufenden gehalten hatte und wirklich ein Experte auf dem Gebiet von NT war, fiel ihm die Umgewöhnung auf Windows 2000 nicht sonderlich schwer, auch wenn ihm erste Zweifel an dem Nutzen so manch zusätzlicher Features von Windows 2000 kamen. Aber als mehrfach zertifizierter Microsoft Certified Systems Engineer (MCSE), zweifelte er trotzdem nicht an dem tieferen Sinn dieser Programme. Die Migration seiner alten NT-Server auf Windows 2000 Server stellte dann allerdings doch eine ziemliche Herausforderung für Herbert da. Er scheiterte zwar nicht, doch zum ersten Mal begann er von Herzen über Windows zu schimpfen, schaffte es dann aber in mehreren Tag- und Nacht-Aktionen, die Umstellung vorzunehmen.
Schließlich lief dann das neue Netz, wenn auch komischerweise weniger stabil, als unter Windows NT und Herbert beschlich ein seltsames Gefühl, das er schließlich selbst als Zweifel diagnostizierte. Vor allem aber fiel er ein wenig in Ungnade bei der Firmenleitung, da es viele Ausfälle bei den Workstations, aber auch bei den Servern gab. Doch Herbert ließ sich davon nicht beirren und arbeitete weiter so hart und gut er konnte, um alle Probleme irgendwie zu fixen. Schließlich gab es dann die Ankündigung von Microsoft, man werde ein Service-Pack 1 für Windows 2000 herausbringen, doch auch dieses brachte nicht die erwünschte Besserung.

Probleme und deren Bewältigung
Letztlich konnte Herbert die ganze Arbeit nicht mehr allein bewältigen, denn trotz teilweise 16 Stunden Arbeit pro Tag inklusive der Wochenenden, schaffte er es einfach nicht mehr. Auch seine Familie nahm ihm die ständigen Überstunden übel und erste gesundheitliche Probleme stellten sich ein. In einem Gespräch mit der Firmenleitung konnte er diese schließlich von der Notwendigkeit überzeugen, einen weiteren Mitarbeitet für die EDV-Abteilung einzustellen. Die Mikrotreu GmbH suchte und fand dann auch schließlich eine Hilfskraft, Peter L., einen jungen Fachinformatiker.
Der junge Mann erwies sich als außerordentlich hilfreich, wenngleich er kein gutes Haar an der Windows 2000 Serverversion lies. Er erzählte Herbert H. etwas von "Linux" und wie gut dieses Betriebssystem vor allem im Serverbereich doch sei. Herbert hatte schon von Linux gehört, doch für ihn war dies nur eine Spielerei irgendwelcher langhaariger "Hacker". Die Unix-Welt war für Herbert sowieso ein fremdartiges Etwas, dem er mehr als nur skeptisch gegenüber stand und so ignorierte er die Ausführungen seines jungen Mitarbeiters.

Von Hackern und offenen Türen
Bei der Mikrotreu GmbH lief seit Jahren der Internet Information Server (IIS), auf dem die firmeneigenen Webseiten gehosted waren. Trotz enormer Sicherheitslücken hatte Herbert immer treu zu diesem Programm, wie auch zu dem Microsoft-Proxy Server gestanden. Mit Windows 2000 kam nun eine neue Version der Software, die Herbert noch besser gefiel als die alte und die er natürlich sofort aufspielte. Die Zeit verging, doch die Probleme bei der Mikrotreu GmbH wollten einfach nicht abreißen. Ständig gab es Störungen auf den Servern und als Höhepunkt der Pannenserie drangen schließlich Unbekannte im Frühjahr 2001 sogar auf dem firmeneigenen Webserver ein und hackten die Webseiten des Unternehmens. Sie richteten allerdings nur wenig Schaden an, sie veränderten einfach den Firmennamen in Mikrohaß und machten sich auch sonst über die Firma aus Redmond lustig.
Herbert kochte vor Wut, als er davon erfuhr, vor allem als ihn Microsoft mit einiger Verspätung auf Lücken im IIS hinwies. Noch zweimal innerhalb weniger Wochen attackierten die Unbekannten Herberts System und wieder wurde er zu spät über die neusten Fehler im IIS informiert. Herberts Zweifel an der Zuverlässigkeit von Windows 2000 und dem IIS stiegen, vor allem als sich ein befreundeter Admin der Unixgut KG über den Vorfall lustig machte und auf die Vorteile seiner Unix-Server hinwies. Da die Mikrotreu GmbH eine stattliche Summe Geld durch die Ausfälle verlor, denn Kunden konnten das firmeneigene Bestellsystem nicht benutzen, wurde Herbert von der Geschäftsleitung eine Abmahnung erteilt und schließlich sogar mit Kündigung gedroht, falls derartiges noch einmal vorkäme.

Gibt es ein Leben nach Microsoft?
Herbert war wie vor den Kopf geschlagen. Dabei hatte er doch alles richtig gemacht und er war sich keiner Schuld bewußt, doch das ließen seine Chefs nicht gelten. Seine Wut auf Microsoft stieg und er wandte sich mit harten Worten an die Microsoft-Hotline. Dort wurde ihm von einem freundlichen Mitarbeiter aber nur lapidar erklärt, daß das nicht sein Problem sei, wenn Hacker in die Systeme von Firmen eindringen würden. In seiner Verzweiflung beriet er sich schließlich mit seinem jungen Kollegen, der ihm erklärte, einfach auf Linux als Server umzusteigen und die dort schon vorhandenen Firewallfunktionen, den Proxy und Apache als Webserver zu benutzen.

Neue Welten tun sich auf
Herbert starrte seinen Mitarbeiter zuerst fassungslos an, gab sich aber dann doch einen Ruck und fragte nach dem "Preis" von Linux. Die lächerliche Summe, die ihm der junge Fachinformatiker nannte, veranlasste Herbert, sich erst einmal still in eine Ecke zu setzen. Fast eine Stunde lang war er nicht mehr ansprechbar. In dieser Zeit gingen ihm tausend Gedanken durch den Kopf, vor allem aber stellte er plötzlich die Lizenzpolitik von Microsoft, sowie die hohen Kosten für die Software, dem frei verfügbaren Linux gegenüber. Danach stand er auf, ging an seinen Rechner und begann sich im Internet umfassend über Linux zu informieren. Seine Begeisterung wuchs ständig, als er die vielfältigen Möglichkeiten erkannte. Sein junger Kollege beobachtete ihn schmunzelnd dabei, wie er sich gleich stapelweise Informationsmaterial ausdruckte und schließlich mit nach Hause nahm.

Der Pinguin übernimmt das Kommando
Am nächsten Morgen stand sein Entschluß fest und er fuhr in einen Computerladen und kaufte auf eigene Kosten die aktuelle Linux-Version eines bekannten deutschen Herstellers, sowie mehrere Fachbücher über Linux. Zusammen mit seinem jungen Mitarbeiter installierte er dann nach und nach auf 2 der Windows 2000 Server Linux und stellte einen Clusterverbund her. Nur auf dem dritten Server, lief weiterhin Windows 2000, doch dieser war sowieso nur ein SQL-Datenbank-Server. Herbert machte sich in den nächsten Wochen mit Linux, dem Apache-Webserver, dem Proxy Squid vertraut, lernte Samba kennen und schüttelte immer wieder über die unglaubliche Vielfalt der in der Linux-Distribution enthaltenen Programme den Kopf. Zwar gab es auch bei Linux Fehler, doch erstaunlicherweise wurden die oft schon wenige Stunden nach dem Auftauchen bereinigt, auch wenn es hier keine Hotline gab. Aber die Diskussionen in den Linux-Newsgroups waren für Herbert sowieso interessanter.

Der Fall des Herbert H.
Herbert war wieder glücklich und auch bei der Geschäftsleitung standen seine Aktien wieder gut. Es sah alles nach einem Happy End aus, wäre da nicht der Besuch eines hochrangigen IT-Managers einer anderen Firma gewesen, den man Herbert überraschend ankündigte. Etwas unverständlich blieb für Herbert dann aber die Reaktion dieses Mannes, denn der schaute Herbert nämlich bei der Besichtigung des Serverraums entgeistert an, als er den Konsolen-Login der Linux-Server und den auf einem der Server platzierten Stoff-Pinguin bemerkte. Als dann auch der junge Kollege des EDV-Leiters mit einem Pinguin T-Shirt den Raum betrat, verließ er mit eisiger Miene die EDV-Abteilung und würdigte die beiden Männer keines Blickes mehr. Einen Tag später erfuhr Herbert dann, dass sich bei dem Besucher um einen hochrangigen Vertreter von Microsoft gehandelt habe, der ausgesuchte Firmen zwecks noch engerer Zusammenarbeit besuchte.

Neue Herausforderungen
Warum die Mikrotreu GmbH ihm und seinem jungen Mitarbeiter dann fristlos kündigte, hat Herbert bis heute nicht so richtig verstanden, hatte er doch nur das Beste für "seine" Firma gewollt und dies auch umgesetzt. Mit der Abfindung, die er erhielt, machte er sich dann mit seinem ehemaligen Mitarbeiter selbständig und sie gründeten ein Consulting-Unternehmen, das vorwiegend Linux-Lösungen für kleine und mittlere Betriebe anbot. Der Erfolg überraschte sie dann aber beide. Das Letzte, was Herbert von seiner ehemaligen Firma hörte, waren Gerüchte, daß nachdem Microsoft-Spezialisten die Server wieder auf Windwos 2000 umgestellt hatten, die Mikrotreu GmbH händeringend nach einem Windows 2000 Spezialisten suchte, was ihm nur ein müdes Lächeln entlockte. Auch als er erfuhr, daß die Webseiten des Unternehmens erneut gehackt worden waren, entlockte ihm dies nur ein Schulterzucken. Windows benutzt Herbert heute nur noch gelegentlich zum Spielen, wenn er mit seinem Sohn auf eine LAN-Party geht.
Diese Geschichte ist frei erfunden und Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen rein zufällig. Gefunden auf onlinekosten.de.

disclaimer