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                      The Bastard Operator from Hell #12


                    Gefunden auf einem neuseelaendischen
                 FTP-Server zu einer Zeit, als die meisten
                  von euch noch nicht mal wussten, dass man
                         Komputer mit K schreibt.

                            von Simon Travaglia

                     frei uebersetzt von Florian Schiel

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Ich komme zur Arbeit, aber ich bin nicht ausgeschlafen. Also klemme ich ein
Stueck Kupferschiene ueber die drei Phasen der Hauptversorgung und werfe den
Hebel herum. Als die Hauptsicherungen herauspfeifen, wird es dunkel und
endlich mal wird es still im Rechnerraum. Es gefaellt mir.

Ich schnippe den Hoerer von der Gabel und schliesse die Vorhaenge vor dem
Beobachtungsfenster. Jetzt ist es WIRKLICH dunkel hier drin. Wuerde mich
nicht wundern, wenn jemand einen Unfall haette...
Ich taste mich in der Dunkelheit zum Eingang und entferne ein paar der
Bodenplatten, die die tiefen Kabelschaechte unter dem Rechnerraum abdecken.
Dann rufe ich unsere Service-Firma an und sage, dass der Mini wieder mal die
Hauptsicherung geschossen hat. Ich ersetzte die geschossenen Sicherungen
durch ein paar Naegel und schliesse die Versorgungsleitungen gegen Masse
kurz. Auf so was kann man nicht hoffen, man muss es MACHEN!

15 Minuten spaeter erscheint der Techniker und fliegt in den Kabelschacht.
Ich schiebe die Bodenplatten zurueck an ihren Platz, als der System-Manager
- ein neuer, schrecklich gruendlicher Typ - hereinkommt und mir sagt, ich
solle mich vorsehen. In dieser Dunkelheit koenne jemand leicht einen Unfall
haben...

Ich nicke und sage ihm, dass wir uns diese Ausfallzeiten eigentlich nicht
leisten koennen und ob ich nicht einfach die Hauptsicherungen wieder
einschalten soll, in der Hoffnung, dass nicht Ernsthaftes passiert sei. Nach
einiger Meditation ueber die Negativ-Schlagzeilen, die wir mit jeder
verstreichenden Minute anhaeufen, macht er die letzte Entscheidung seiner
steilen, aber kurzen Karriere: Er sagt, ich soll's versuchen.

Spaeter, nachdem sich der Rauch etwas gelichtet hat, untersuche ich die
brutzelnden Reste unseres Minis. Kein sehr schoener Anblick...
"Komisch, dass die Hauptsicherungen geklemmt haben, nicht?" sage ich zum
System-Manager, waehrend er seine persoenlichen Sachen einsammelt. "Eine
Chance von 1 zu einer Million. Zu dumm, dass Sie jemand beobachtet und die
ganze Geschichte nach comp.misc geposted hat. Nach all der schlechten
Presse koennen Sie froh sein, wenn Sie einen Job finden, in dem Sie einen
Taschenrechner managen duerfen..."
Ich geh' zurueck in den Kontrollraum und schalte die restlichen Sicherungen
wieder ein. Der Rechnerraum belebt sich wieder. An der Konsole steht:
'D.Usbotmbuhpo!G/Tdif-1-m!2::6' - ein letzter Gruss des verschollenen
Technikers aus der Hoelle!

Ich logge mich ein und beginne, User-eMails zu loeschen. Dabei entdecke ich
einen interessanten sexuellen Antrag unseres Consultants an ein maennliches
Mitglied der Wasserball-Mannschaft. Das gibt ein hervorragendes motd
('motiv of the day'); deshalb kopiere ich es dorthin. Dann aendere ich den
root Account nach 'Winker' und das Passwort nach 'ljkadlkajflkj'. Dem
grossen Haeuptling sage ich am Telefon, dass ich einen Einbruch vermute. Bis
wir das genauer untersucht haben (ein paar Stunden wird's schon brauchen),
bleiben die anderen Accounts gesperrt. Die Leute werden in der Zwischenzeit
die motd lesen...

Zumindest einer hat's schon gelesen, denke ich, als wir einen Schuss aus dem
Buero des Consultants hoeren. Inzwischen editiere ich die Online-Hilfe und
aendere die Nummer der Hotline - der System Manager wird sich ueber all die
extra Anrufe freuen; besonders in so einer traurigen Zeit....
Ein zweiter Schuss, und mir wird klar, dass er heute wohl keine Anrufe mehr
annehmen wird.

Ich blaettere den Ausredenkalender um und lege den Hoerer auf die Gabel.

                    "PROBLEME BEI DER STROMVERSORGUNG".

Zu realistisch.

                         "STATISCHE AUFLADUNGEN".

Immer noch ein wenigzu realistisch fuer meinen Geschmack, aber ich lasse es
gelten. Immerhin soll der Kalender noch bis zum Jahresende reichen.

                                  --------

Das Telefon klingelt, gerade als ich ich 'Top Gun' in der Maschine habe.
Ich pausiere das Video und klemm' mir den Hoerer unter's Kinn.

"Ich fuerchte, ich habe eine schlechte Floppy Disk gekauft."

"Tatsaechlich?" Bin ich jetzt bei der Stiftung Warentest, oder was?

"Naja, ich hab' da diese Disk und sie laesst sich nich' formatieren. Aber
alle anderen in der Schachtel gingen. Also muss ich wohl eine schlechte
erwischt haben..."

"Darf ich fragen, warum Sie deshalb bei MIR anrufen?"

"Naja, auf der Schachtel steht was von Garantie; wo kann ich einen Ersatz
bekommen?"

Ah! Alles klar! "Schaun' wir mal. Sind Sie ganz sicher, dass es an der
Disk liegt und nicht irgendwie mit statischer Aufladung zu tun hat?"

"Haeh?"

"Statische Aufladung, Sie wissen schon, statische Elektrizitaet, die
Sie mit ihren Fingern auf das Geraet uebertragen."

"Aber ich trage ein geerdetes Armband!"

Spaetestens jetzt weiss ich, wo ich bin: im tiefen Tal der Super-Deppen.
Geerdete Armbaender gehoeren in unseren Kreisen nicht gerade zum
Mode-Accessoire...

"Natuerlich, aber die Standard-Armbaender, wie Sie eins tragen, haben
einen 1 Megaohm Widerstand in Reihe geschaltet; eine ziemlich schlechte
Erdung also. Was Sie bauchen, ist eine direkte Erdverbindung. Am besten
fassen Sie mit einer Hand an ein Gehaeuse, das richtig geerdet ist."

"Aeh, zum Beispiel unseren Stahl-Labortisch?"

"Hervorragend. Jetzt, haben Sie etwas, um die Aufladung abzuleiten?
Zum Beispiel eine Bueroklammer?"

"Moment...ja."

"Gut. Dann stecken Sie jetzt mit der ANDEREN Hand die Bueroklammer durch
die Ventilationsschlitze auf der Rueckseite. Beruehren Sie einfach kurz
das Ende des dicken roten Kabels. Dabei aber NICHT den Tisch loslassen.
Sie muessen immer gut geerdet bleiben..."

 [raschel] [hantier]

"Meinen Sie das Kabel, das zum Netzteil fuehrt?"

"Genau, halten Sie da drauf."

"...Aber ist das nicht..."

       KZZZZZZT POLTER

Und wieder ein Anruf erfolgreich beendet. Ich nehme den Briefoeffner und
schneide eine weitere Kerbe in das dicke gelbe Ethernetkabel, das dekorativ
hinter dem HELPDESK FROM HELL vorbeifuehrt.


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